| Kampf mit den Launen eines Kleinods |
Im Odenwaldkreis einmalig und mit den andernorts vorhandenen Hallen nicht vergleichbar, repräsentiert die Odenwaldhalle 50 Jahre nach ihrer Errichtung als wertvolles architektonisches Kleinod zwar ihre Entstehungszeit. Bausubstanz und technische Einrichtungen bergen aber etliche Defizite, die auch brandschutztechnische Probleme aufweisen. Dieses Spannungsfeld zeigten Bürgermeister Stephan Kelbert einerseits und Stadtbrandinspektor Gerd Beller anderseits als Ausgangspunkt einer Großübung am Michelstädter Bürgerhaus auf.
Anlass genug, eine umfangreiche und kritische Gefahrensituation durchzuspielen. Wohl wissend, so Beller, dass eine Großveranstaltung in der Halle schon an den normalen Brandsicherheitsdienst erhöhte Anforderungen stellt, legte man für den zu übenden Schadensfall die Hürden nicht zu hoch: Ausgangslage war ein „ganz normaler“ Tag mit Vereins- und Übungsabenden in den Klubräumen und vergleichsweise geringer Personenzahl im Gebäude, an dem laut Übungsszenario ein elektrischer Defekt zu einem Brand in den Kellerräumen führte.
Weitere Annahmen: Das Feuer breitete sich rasch auf das gesamte Gebäude aus; schnell führte das über Aufgänge und Treppen zunächst auch zu starker Verqualmung. 36 Personen, dargestellt durch Mitglieder der städtischen Jugendfeuerwehren, hielten sich in verschiedenen Räumen auf, retteten sich teilweise ins Obergeschoss. Die Feuerwehren der Kernstadt und aus den Stadtteilen Stockheim, Steinbach, Steinbuch und Rehbach hatten die primäre Aufgabe der Menschenrettung. Sie rangierte vor der parallel anlaufenden Brandbekämpfung rund um den gesamten Gebäudekomplex.
Unterstützt wurden sie dabei von Helfern des Technischen Hilfswerks (THW), denen auch die Verkehrssicherung oblag. Insgesamt waren 22 Atemschutzgeräteträger durch Front- und Seiteneingänge sowie mittels Drehleiter durch ein Fenster im Obergeschoss in den verqualmten Gebäudekomplex eingedrungen, um die eingeschlossenen Personen zu finden, zu retten und an bereitstehende Helfer der Verstärkungsgruppe Rettungsdienst des Roten Kreuzes zu übergeben.
Im selbstaufrichtenden Zelt der Feuerwehr erfolgte durch die medizinischen Helfer unterschiedlicher Prägung die Registrierung der Verletzten mit Einteilung zur Weiterleitung an Krankenhäuser. Derweil schlossen die Feuerwehrleute zwölf C-Rohre, ein Wenderohr und einen Werfer mittels rund 1400 Meter Schlauchleitung ans öffentlichen Netz an, um mit Löschwasser gegen die Flammen vorgehen zu können. Die Entlüftung der Räume erfolgte durch mehrere Absaugventilatoren.
Stadtbrandinspektor Beller zeigte sich mit dem Übungsverlauf zufrieden. Er bezifferte die Zahl der eingesetzten Kräfte auf 76 seitens der Wehren, zehn vom THW und fünf vom Roten Kreuz. Wie Bürgermeister Stefan Kelbert lobte auch Stadtverordnetenvorsteher Dieter Müller das freiwillige Engagement der Helfer aller beteiligten Organisationen. Müller bedauerte allerdings das mangelnde Interesse der Bevölkerung, erst recht aber der städtischen Mandatsträger an einer solchen Großübung. Kaum jemand hatte sich beim Manöver sehen lassen. Offenbar, so Müller, gehen viele ganz einfach davon aus, dass immer alles funktioniert.